AVWS - Was ist das?
(überarbeitet und mit freundlicher Genehmigung
von Silvia Müller, Februar 2006)
Die Ohren eines Kindes mit AVWS hören genauso gut wie die jedes normalhörigen
Menschen. Jedoch können Kinder mit AVWS Höreindrücke im Gehirn nicht so gut
verarbeiten wie andere.
Zentral-auditive Wahrnehmungsstörungen führen, abhängig von ihrer Ausprägung,
zu unterschiedlichen Auswirkungen.
Ursache ist häufig in persistierenden frühkindlichen
Reflexen zu suchen.
Kinder mit AVWS hören das gleiche, aber auf andere Art und Weise.
Sie ...
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Kinder mit AVWS....
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hören viele Geräusche zugleich (z.B. Straßengeräusche, Husten,
Niesen, das was ich sage, Flüstern...), können das Wichtigste
heraushören
und die Nebengeräusche in den Hintergrund treten lassen.
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hören viele Geräusche gleichzeitig, können aber nicht das
Wesentliche herausfiltern. Alles wirkt gleich laut.
Nebengeräusche wirken ablenkend.
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- Husten
- Lachen
- Reden
- Stimme des Lehrers
- Türen klappen
- Straßengeräusche
- Stühle rücken
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- Husten
- Lachen
- Reden
- Stimme des Lehrers
- Türen klappen
- Straßengeräusche
- Stühle rücken
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Sie
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Kinder mit AVWS...
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hören heraus, wenn ein Wort ein /m/ enthält und können das Wort dann
richtig mit /m/ schreiben.
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hören denselben Laut, aber unscharf und ungenau, vielleicht einen
Klang zwischen /m/ und /n/. Dadurch entsteht Unsicherheit und das Kind
muss raten, um welchen der beiden Laute es sich handelt. Folglich
spricht das Kind falsch nach und schreibt fehlerhaft
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Begriffsbestimmung
Das Hören lässt sich in periphere und zentrale Teilprozesse
untergliedern.
Periphere Teilfunktionen: Außen- und Mittelohr dienen der Schallaufnahme
und -weiterleitung, das Innenohr wandelt Schallreize in neuronale
Impulse
um.
Zentrale Teilfunktionen:
Verarbeitung: Vorverarbeitung und Filterung von auditiven
Signalen in der zentralen Hörbahn
Wahrnehmung: bewusste Auswertung der angekommenen Informationen
in den zentralen Hörzentren des Großhirns.
Eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung liegt vor, wenn
zentrale Prozesse des Hörens gestört sind.
Das Erscheinungsbild eines Kindes mit AVWS
Primäre Symptome sind immer ein verspäteter Sprechbeginn, eine
Sprachentwicklungsverzögerung mit Störungen der Artikulation und Grammatik und
eine Leserechtschreibschwäche, da die Sinnentnahme beim Lesen durch mangelndes
Erkennen der Worte erschwert ist. Weiters sind der aktive und passive Wortschatz
erheblich verringert.
Sekundäre Erscheinungsbilder gehen über die sprachlichen hinaus. Es kommt
häufig zu sozialen Behinderungen und zu Lern- und Leistungsveränderungen. Die
gestörte Ausdrucksfähigkeit des Kindes führt zu einem gestörten
Kommunikationsprozess, was wiederum eine personelle Veränderung beim Kind
bewirkt: Introvertierte (nach innen gekehrte) Kinder werden häufig kontaktscheu,
ängstlich und schüchtern, während extrovertierte (nach außen gekehrte) Kinder
eher zu aggressivem, bockigen Verhalten neigen.
Durch die gestörte Sprache und die mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit ist das
Kind den Lerninhalten gegenüber weniger aufgeschlossen als "normale" Kinder, was
wiederum zu Störungen im Lernprozess führen kann. Aufgrund ständiger Misserfolge
kann sich der gesamte Lernablauf und das Verhalten des Kindes verändern. Oft
zeigen sich Symptome wie Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit, geringe
Leistungsfähigkeit, mangelndes Interesse oder geringe Ausdauer.
Kinder und Jugendlichen, mit AVWS, fallen in der Schule, im Kindergarten oder
zu Hause z.B. dadurch auf, dass
- in unruhiger Umgebung Sprache nur schwer verstanden wird
- die auditive Merkfähigkeit für mehrgliedrige Auftrage gestört ist
- das längere Zuhören ( z.B. bei einer Geschichte ) nicht gegeben ist
- Kinderlieder und Kinderreime nur schwer auswendig gelernt werden können
- der Fernseher sehr laut gestellt wird
- sie selbst sehr laut sind
- sie schnell ermüden
- sie sich durch akustische Reize schnell ablenken lassen
- sie verlangsamt auf Ansprache reagieren ( der Groschen fällt langsam )
- klangähnliche Wörter im Diktat verwechselt werden
- sie sich oftmals an anderen Kindern orientieren
- ihr Blick bei Ansprache durch den Raum irrt und sie sich erst
orientieren müssen.
Diese Kinder zeigen Auffälligkeiten im auditiven Bereich, obwohl das
periphere Hörvermögen vollkommen unauffällig ist.
Beispiele:
- Max hört gut, er hört aber selten zu.
- Peter liest fließend, versteht den Inhalt jedoch nicht.
- Anna zuckt bei einem lauten Geräusch zusammen oder stößt einen Schrei
aus.
- Stefan verwechselt mit seinen 9 Jahren immer noch links und rechts.
Außerdem verdreht oder vergisst er beim Schreiben Buchstaben. Mit 6 Jahren
besuchte er die Logopädie, weil er oft T und K verwechselte (Tuh statt Kuh).
- Sandro hört den Laut, kann ihn aber nicht mit einem Buchstaben oder Wort
verbinden.
- Martinas Leistungen (Diktat) sind zu Hause besser als in der Schule.
- Claudia sitzt oft stundenlang an den Hausaufgaben. Sie träumt und
trödelt. Bis sie endlich ein Gedicht auswendig kann, dauert es. Leider
behält sie den Inhalt selten bis zum nächsten Morgen.
- Marianne kommt sehr müde und aggressiv aus der Schule. Alles ist dort so
laut und die Stimme der Lehrerin klingt gleich laut wie alle anderen
Geräusche (gestörte Figur-Grundwahrnehmung).
- Andreas spricht äußerst laut. Einen Rhythmus korrekt nachzuklatschen,
gelingt ihm nur schwer.
Zum Begriff ZAVWS
Man spricht von "zentraler Hörverarbeitungsstörung", Auditiver Verarbeitungs-
und Wahrnehmungsstörung kurz AVWS oft begleitet von Aufmerksamkeits-Defizit
Syndrom ADS oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches Syndrom ADHS und
Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) Diese Störungsbilder können sich
überschneiden. Oft wird mal mehr das eine oder das andere Störungsbild
festgestellt, je nach Untersucher und verwendeten Testmethoden. Es sollte
immer untersucht werden, ob das Kind auditiv entwickelt ist. Hat es sich über
die ersten Schuljahre durch Ersatzstrategien gerettet, die es ihm ermöglichten,
auditiv nicht richtig integrierte Fähigkeiten z.B. visuell zu kompensieren, so
fällt es auf, wenn im weiteren Lernalltag die visuellen Hilfen immer mehr
entfallen und vermehrt die auditiven hinzukommen.
Das Störungsbild, das wir mit AVWS bezeichnen, taucht in der Fachliteratur
unter anderem unter folgenden Begriffen auf:
- Zentrale Störung der auditiven Sprachwahrnehmung
- Zentrale Hörwahrnehmungsstörung
- Zentrale Hörstörung
- Auditive Wahrnehmungsstörung
- Zentrale Fehlhörigkeit
- Zentral-auditive Verarbeitungsstörung
- Zentrale Hörverarbeitungsstörung
- ZAVWS: Zentral-auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
- AVWS Auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung
- ZAWS Zentral auditive Wahrnehmungsstörung
- Zentrale Hörwahrnehmungsstörung
- Auditive Verarbeitungsstörung
- Zentraler Schwerhörigkeit
- Rezeptiver Hörstörung
Allen diesen Begriffen ist gemeinsam, dass der Teil „ zentral“ und/ oder
Wahrnehmung darin vorkommen. Dies dient der Abgrenzung vom so genannten
peripheren Hören. Zentrale Hörleistungen beziehen sich auf die Verarbeitung von
Gehörtem bis zur Sinnentnahme, dem Verstehen im Gehirn.
Definition
Auditive Wahrnehmungsstörungen liegen dann vor, wenn bei einem intakten
peripheren Gehör, Störungen in einer oder mehreren Teilleistungen des auditiven
Systems auftreten. Ganz allgemein gesprochen, haben Kinder mit auditiven
Wahrnehmungsstörungen Schwierigkeiten, akustische Reize zu erkennen, zu
unterscheiden und sie in Verbindung mit früheren Erfahrungen zu interpretieren.
Bei Kindern und Erwachsenen mit AVWS liegt eine Störung der Hörverarbeitung
zwischen dem Innenohr und dem Gehirn vor. Die "Ohren" hören genauso gut, wie die
eines Normalhörenden, allerdings werden die akustischen Impulse nicht korrekt an
das Gehirn weitergeleitet.
Schwierigkeiten in der auditiven Differenzierung, also der Fähigkeit Phoneme
zu unterscheiden, können Probleme beim Wortschatzaufbau und beim Lesen- und
Schreibenlernen bewirken.
Verantwortlich für das Auftreten von Wahrnehmungsstörungen sind überwiegend
auditive Verarbeitungsstörungen im Hörbahnsystem, die meist auch audiologisch
messbar sind.
Merkmale auditiver Wahrnehmungsprobleme
- isolierte Bildung problematischer Phoneme und Laute gelingt - nicht
jedoch in der Schule.
- Diktate in ruhiger Umgebung sind möglich - nicht jedoch im Klassenraum.
- peripheres Hörvermögen, audiologischer Test gut – trotz
Verständnisprobleme.
- Informationen falsch verstehen
- Gehörtes erschwert umsetzen
- Gelesenes nicht verstehen
- unrein singen
- links-recht Probleme
- leicht bis mittelgradig schwerhörig
- geräuschempfindlich
- leicht ablenkbar unruhig
- vergesslich
- geringe Ausdauer
Auditive Wahrnehmungsleistungen
- Das Gehör verfügt unter anderen über folgende Fähigkeiten:
-
Richtungshören
- Schallquellen k��nnen geortet werden, in Richtung und Entfernung
-
Trennung von Nutz- und Störschall
- Aus komplexen Schallereignissen können sprachliche Informationen
herausgehört werden
-
Dichotisches Hören
- Zwei verschiedene Sprachinformationen können gleichzeitig aufgenommen und
verstanden werden. Es ist die Fähigkeit unterschiedliche Worte zu erkennen,
die gleichzeitig beiden Ohren präsentiert werden, (rechts Schneemann links
Schulhaus ).
-
Auditive Aufmerksamkeit - Dauerhafte Zuwendung zu akustischen Signalen
-
Auditive Diskrimination
- Geräusche, Töne, Rhythmen und Sprachlaute können erkannt und unterschieden
werden. Differenzierung von Geräuschen (nichtsprachlich) oder auch von
Sprache nach folgenden Kategorien gelingt:
- kurz – lang, laut – leise, hoch – tief, schnell – langsam, gleich –
verschieden
-
Auditive Merkfähigkeit
- Akustische Informationen können in ausreichendem Maße für eine
Weiterverarbeitung gespeichert werden.
- Auditive Figur-Grundwahrnehmung
- Es ist möglich, bedeutsame akustische Informationen von Neben- oder
Hintergrundgeräuschen zu trennen und sich auf die wichtigen Reize zu
konzentrieren.
- Auditive Wahrnehmungskonstanz
- Ein bestimmtes Geräusch, ein bestimmter Ton oder Laut kann wieder erkannt
werden, wenn er z.B. in veränderter Lautstärke, Klangfarbe, Tonhöhe oder
gemeinsam mit anderen Tönen, Lauten oder Geräuschen angeboten wird.
-
Auditive Analyse
- Elemente können aus akustisch komplexen Situationen herausgelöst werden
-
Auditive Synthese
- Einzelelemente können zu einem Gebilde zusammengefügt werden. Das
Heraushören bestimmter Laute aus einem Wort bzw. die Bildung eines Wortes
aus Einzellauten gelingen altersgemäß.
-
Auditive Ergänzung
- Fragmentarische akustische Gebilde können zu sinnvollen Informationen
vervollständigt werden
-
Zeitauflösung
- Die zeitliche Struktur von Schallereignissen kann so exakt aufgelöst
werden, dass Sprache sicher diskriminiert wird
-
Lautheitsempfinden
- Laute und leise Töne werden adäquat empfunden
- Auditive Hör-Gedächtnisspanne
- Es gelingt, gehörte Informationen für kurze Zeit zu speichern und sie
sofort wieder abzurufen.
- altersgemäßes Sequenzgedächtnis
- Die Reihenfolge von akustischen Elementen kann fehlerfrei behalten und
reproduziert werden.
- Auditiv-visuellen Koordination
- Akustische Reize können in visuelle Informationen übersetzt werden.
- Altersgemäße rhythmisch-melodische Differenzierung
- Gehörtes kann aufgrund seiner melodischen oder rhythmischen Struktur
voneinander unterschieden werden. Ein Rhythmus oder eine Melodie kann
aufgenommen und wiedergegeben werden.
- Wahrnehmen emotionaler Inhalte
- Die Fähigkeit, einer Musik oder sprachlichen Äußerungen einen emotionalen
Inhalt zu entnehmen, ist altersgemäß entwickelt.
Störungsbilder
Bei auditiven Wahrnehmungsstörungen zeigen sich nicht alle Symptome
gleichermaßen. Jedes Kind weist andere Erscheinungs- und Störungsbilder auf.
- Richtungshören: Bei Störungen im Richtungshören haben die Kinder
Probleme damit, die Schallquelle zu finden. Ihr Blick irrt durch die Gegend.
Das Konzentrationsvermögen nimmt rasch ab. Richtung und Entfernung eines
Geräusches können nicht mit ausreichender Sicherheit festgestellt werden.
- Trennung von Stör- und Nutzschall: Kinder mit Störungen bei der
Trennung von Stör- und Nutzschall sind in einer ruhigen Umgebung
unauffällig. Sie können verstehen und dem Geschehen folgen. Dies ändert
sich, wenn die Umgebung geräuschvoller wird. Nun haben die Kinder Probleme
damit Sprache zu verstehen, da sie Hintergrundgeräusche nicht effektiv genug
ausgeblendet werden können. Jetzt müssen sich die Kinder sehr auf das
Gesprochene konzentrieren, was zu Erschöpfung, Kopfschmerzen und Ermattung
führen kann. Sie schalten im Unterricht nach einiger Zeit ab, da sie die
hohe Konzentration, die sie fürs Hören benötigen, nicht auf Dauer aufrecht
erhalten können. Häufig sind die Kinder sehr laut. Sie scheinen damit zu
erreichen, dass sie sich selbst deutlicher aus den Hintergrundgeräuschen
heraushören. Beim Kopfrechnen zeigen sich im Gegensatz zum schriftlichen
Rechnen Probleme, da die Zahlen mündlich nicht immer verstanden werden.
- Dichotisches Hörens: Störungen im Bereich des Dichotischen Hörens
führen dazu, dass Betroffene nicht mehr verstehen, wenn durcheinander
gesprochen wird. Dies liegt vermutlich daran, dass die akustisch
unterschiedlichen Signale, die auf die Ohren treffen, nicht getrennt
voneinander verarbeitet werden können. Die Kinder hören entweder nur mit dem
rechten oder nur mit dem linken Ohr oder links und rechts abwechselnd. Nie
aber mit beiden Ohren gemeinsam. Sie schalten nach einer gewissen Zeit ab,
bekommen Zusammenhänge nicht mehr mit und fragen häufig nach.
- Auditiven Aufmerksamkeit: Kinder mit Problemen in der auditiven Aufmerksamkeit können sich weder kurz- noch langfristig
auf einen auditiven Reiz konzentrieren. Sie sind leicht ablenkbar und könne
Geschichten nicht folgen. Sie schweifen leicht ab, können dem
Unterrichtsgeschehen nicht lange folgen und sind sehr unruhig.
- Auditive Identifikation/Geräusche: Das Erkennen einfacher
Gegenstände an ihren Geräuschen gelingt mit geschlossenen Augen nur schwer.
- Auditive Identifikation/Reimwörter: Reimwörter können nicht
erkannt werden.
- Auditive Differenzierung: Darunter versteht man die Fähigkeit,
akustische Reize jeglicher Art (Geräusche, Töne, Laute, Silben, Wörter,
Rhythmus und Melodie) nach bestimmten Merkmalen zu unterscheiden.
- Diskriminationsstörungen: Bei Diskriminationsstörungen können
auditive Reize nicht sicher voneinander getrennt werden. Dies bezieht sich
in erster Linie auf Sprachlaute, vor allem auf Minimalpaare ( Tanne/ Kanne
), aber auch auf die außersprachliche Ebene ( z.B. Rhythmen )
- Lautdiskrimination: Probleme in der Lautdiskrimination führen
dazu, dass Kinder klangähnliche Wörter verwechseln ( Nuss - muss, den - dem,
kriechen - Griechen). Sie müssen oftmals nachfragen und sich
Sachzusammenhänge nicht selten aus dem Sinnzusammenhang erschließen. Dies
ist erschöpfend und ermüdend. Die Leistungsfähigkeit lässt nach wenigen
Schulstunden nach. Erwachsene sind in der Lage aus einem Bruchteil eines
Wortes oder einem teil eines Satzes diese zu vervollständigen, Kinder sind
hierzu nicht in der Lage.
- Auditiven Merkfähigkeit: Störungen im Bereich der auditiven
Merkfähigkeit behindern die Kinder in der langfristigen Speicherung von
Informationen. Sie fragen häufig nach. Probleme treten in Diktaten und beim
Kopfrechnen auf. Meist ist der Anfang der Aufgabe oder des Wortes schon
wieder vergessen, wenn die letzte Zahl oder die letzte Silbe wahrgenommen
und verarbeitet sind. Aufgrund einer verringerten auditiven Gedächtnisspanne
(Kurzeitgedächtnis) haben Kinder mit auditiven Wahrnehmungsschwierigkeiten
häufig Probleme beim Nachsprechen einfacher Reime und Sätze und beim Merken
einfacher Arbeitsaufträge.
- Auditiven Analyse: Kinder mit Problemen in der auditiven Analyse
können bezogen auf die sprachliche Ebene Wörter aus Sätzen, Silben aus
Wörtern und Laute aus Silben nur schwer heraushören. Die
Lautstellungsanalysefähigkeit ist beeinträchtigt. Dies hindert die Kinder
vor allem im Schreiblernprozess.
- Auditive Synthesefähigkeit: Wenn die auditive Synthesefähigkeit
beeinträchtigt ist, dann haben die Kinder Probleme mit dem Zusammensetzen
von Silben und Einzellauten. Bei zeitlich gedehnter Sprache, die z.B. am
Anfang des Leselernprozesses steht, kann der Sinn des Gelesenen häufig nicht
erfasst werden.
- Auditiven Ergänzung: Kinder mit Problemen in der auditiven
Ergänzung können in einer geräuschvollen Umgebung den Ausführungen der
Lehrkraft nicht folgen, da sie nicht alles verstehen und die Bruchstücke des
Verstandenen nicht vervollständigen können. Sie verlieren den Anschluss und
schalten ab.
- Zeitauflösungsvermögen: Kinder mit einem gestörten
Zeitauflösungsvermögen haben Probleme bei der Differenzierung von Lauten,
die sehr schnell wahrgenommen und verarbeitet werden müssen ( b - p, d - t,
g – k; v –w ). Rhythmen werden nur schwer erkannt. Sie fallen auch dadurch
auf, dass sie mehr Zeit benötigen, um Sachverhalte zu verstehen.
- Lautheitsempfinden: Störungen im Lautheitsempfinden
Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) zeigen sich darin, dass Betroffene
sich bei Lärm die Ohren zuhalten, normallaute Sprache aber als zu leise
empfinden. Fernseher und Kassettenrekorder werden zu laut gestellt. Die
Kinder empfinden akustische Signale mit Geräuschcharakter (Tongemische) als
wesentlich lauter als einzelne Töne und auch als wesentlich
undifferenzierter. Dies führt zu einer Beeinträchtigung des Sprachverstehens
besonders dann, wenn Störgeräusche einfließen. In geräuschvollen Situationen
neigen vor allem jüngere Kinder dazu, sich die Ohren zu zuhalten oder die
Situation zu verlassen.
Für die einzelnen Bereiche heißt das: Geräusche können nur schwer
unterschieden werden.
- Töne: auditive Intermodalität: Tonhöhe, Tonintensität, Tondauer
können nicht differenziert wahrgenommen werden.
- Laute, Silben: können nicht richtig differenziert werden und
werden falsch wahrgenommen.
- Wörter: (= "phonematische Differenzierungsschwäche")
- Rhythmus: kann kaum bis gar nicht nachgeahmt werden.
- Melodie: kann kaum bis gar nicht nachgeahmt werden.
- auditive Serialität: Laute und Wörter werden in einer falschen
zeitlichen Reihenfolge gehört.
- Richtungshören/Entfernungshören: Richtung und Entfernung einer
Schallquelle kann nicht oder nur schwer festgestellt werden.
- auditive Gliederung Buchstabieren/Lautposition (Fähigkeit, komplexe Höreindrücke zu
strukturieren): Das Kind muss die Lautposition im An-, In- und Auslaut
erkennen können. Es kann keine Verbindung zwischen dem auditiven und anderen
Sinneskanälen hergestellt werden.
Diagnostik (Bei einem ausgebildeten Phoniater, Pädaudiologen oder HNO Arzt!)
- Tonaudiogramm
- Sprachaudiogramm
- Sprachaudiogramm im Störschall
- Intelligenztest ( CFT 1 oder CFT 20 )
- Dichotischer Hörtest ( CD von Audiva, Test nach Uttenweiler )
- Auditive Merkfähigkeit ( Mottier, Zahlen nachsprechen, Geschichte
nacherzählen )
- Richtungshören
- Diskrimination ( Rhythmen nachahmen , HLDT auf der Westra Test-CD Nr. 18
,
- Lautdiskriminationstest von Hr. Warnke ( CD von Meditech ))
- Lautsynthese ( Silben zusammenziehen )
- Lautanalyse ( Laute eines lauttreuen Wortes heraushören )
Begriff auditiv und akustisch
Im Zusammenhang mit der auditiven Wahrnehmung müssen die Begriffe auditiv und
akustisch differenziert werden. Akustik als Lehre vom Schall und den
Schallverhältnissen und die davon abgeleiteten Begriffe meinen den
physikalischen Reiz. Die anatomischen Grundlagen des Hörvorgangs und die
physiologischen Prozesse hingegen werden als auditiv bezeichnet. Man spricht
also von auditiver Wahrnehmung, aber von akustischen Reizen.
Den Unterschied zwischen Klang und Geräusch möchte ich hier auch kurz
erklären. Klänge sind Tongemische, die durch zusammengesetzte regelmäßige
Druckschwankungen von bestimmten Frequenzen hervorgerufen werden. Ihr
Zusammenklang (Konsonanz) wird vom Ohr als Einheit und damit meist als angenehm
empfunden. Geräusche hingegen entstehen durch eine Vielzahl nicht regelmäßig
zusammenklingender Töne verschiedener Frequenz und Höhe.
Gerade das Hören ist in seiner Komplexität auf die Verbindung mit anderen
Sinneswahrnehmungen angewiesen und steht in engem Zusammenhang mit dem
emotionalen, sprachlichen und motorischen Bereich.
Die Schulung des Gehörs, also des auditiven Wahrnehmungsbereiches, stellt
eine wesentliche Voraussetzung für den Sprach-, Lese- und Schreiberwerb dar.
Durch Geräusche wird unsere Umwelt erst lebendig. Wir nehmen diese unbewusst
oder bewusst wahr, differenzieren, strukturieren und filtern sie je nach Bedarf
und Situation. Klänge oder Geräusche können positiv oder negativ auf uns wirken
und demnach Aufmerksamkeit oder Desinteresse bewirken.
Ein hörendes Kind lernt die Sprache nach Gesetzen der Phonetik, indem es
beispielsweise nicht zunächst Einzellaute erlernt. Es orientiert sich an
Klanggestalten seiner Umwelt und sucht die klanglich ansprechenden bekannten
Teile heraus und versucht, sie nachzusprechen. So werden lange und
sprechmotorisch schwierige Wörter anfangs verstümmelt, weil sie laufmäßig noch
nicht erfasst und auditiv- gedächtnismäßig nicht verarbeitet und folglich
sprechmotorisch noch nicht gebildet werden können. So kommt es anfangs zu
Auslassungen (Schokolade – lade) oder zu Umstellungen (Waschlappen – Laschwapp),
Angleichungen (Bleistift – Beibift) und Zusammenziehungen. Insofern ist der
Prozess des Hörens, vor allem das auditive Erfassen und Verarbeiten des
Aufgenommenen, für den Spracherwerb von großer Bedeutung. Auf der einen Seite
werden dem Kind Vorbilder für das Sprechen geliefert und auf der anderen Seite
stallt das Hören die wichtigste Kontrollinstanz bei der konkreten
Durchgestaltung eines Wortgefüges und für die akustisch-sprechmotorisch exakte
Bildung der Sprachlaute dar. Sind die eigenen Laute als sprachlich korrekt
erkannt worden, übernehmen taktil-kinästhetische Faktoren als Lage- und
Bewegungssinne diese Überprüfungsfunktion und das Gehör nimmt eine zweitrangige
Rolle ein. Spricht ein Kind einen Laut falsch, die Umwelt versteht und
akzeptiert aber seine Aussprache, besteht für das Kind keine Veranlassung mehr,
seine akustischen Äußerungen mit denen seiner Umwelt zu überprüfen, denn es ist
dann der Überzeugung, richtig zu sprechen. Zu den komplexesten Leistungen
unseres Gehörs zählt das Aufnehmen sprachlicher Informationen: Wir erkennen die
Bedeutung eines Satzes relativ unabhängig davon, ob er von einem uns bekannten
oder unbekannten Menschen gesprochen wird, ob er schnell oder langsam gesprochen
wird, laut oder leise, durchs Telefon oder von Mensch zu Mensch. –Solange wir
unsere eigene Sprache hören, können sich die Parameter Lautstärke, Sprechtempo
und Obertoncharakteristik in weiten Bereichen ändern, ohne dass wir
Verständigungsprobleme bekommen.
Hilfen
Hilfen im Unterricht
Das Kind kann besser hören und verstehen,
- wenn wichtige Informationen in der Nähe des Kindes und ihm zugewandt
gegeben werden
- wenn der Sitzplatz vorne in der ersten Reihe ist, oder das Kind
möglichst in die Nähe des Lehrerpultes setzten
- wichtige Informationen in der Nähe des Kindes sagen
- darauf achten, dass die Hausaufgaben vom Kind schriftlich notiert
werden. Die Hausaufgaben möglichst nicht in einer Aufbruchsstimmung kurz vor
der Pause ankündigen, da ein Kind mit AVWS sie sonst nicht verstehen kann
- zusätzliche visuelle Hilfen geben, z.B. Kopfrechenaufgaben schriftlich
vorlegen
- zum Nachfragen ermutigen. Unaufmerksamkeit sollte nicht als
Konzentrationsmangel gewertet werden
- immer wieder zur mündlichen Mitarbeit ermutigen und Nachfragen, ob es
die mündlich gestellte Aufgabe auch richtig verstanden hat
- wenn bei unterschiedlicher Hörfähigkeit auf beiden Ohren das Kind so
sitzt, dass es das bessere Ohr dem Lehrer und der Klasse zuwendet
- wenn es sich dem jeweiligen Sprecher zuwenden kann
- wenn Gesprächsdisziplin eingehalten wird (Mitschüler)
- wenn der Klassensaal nicht in der nähe der Straße liegt
- wenn Lehrer langsam und mit Pausen sprechen und Schlüsselwörter betonen
- häufigen Sitzplatzwechsel vermieden wird
- wenn elektroakustische Schallverstärkung genutzt wird (F-Systeme)
- wenn schallabsorbierende Materialien im Klassensaal verwendet werden.
Das auditive Gedächtnis wird unterstützt,
- wenn Kopfrechenaufgaben schriftlich vorliegen
- wenn Aufträge und Wiederholungen in einfachen und kurzen Sätzen gegeben
werden
- wenn Hausaufgaben notiert werden
- wenn Aufträge vom Kind wiederholt werden
Das Sprachverstehen wird besser gesichert,
wenn das Kind ermutigt wird nachzufragen und häufiges Nachfragen nicht als
Konzentrationsmangel oder Unaufmerksamkeit bewertet wird
Hilfen in der offenen Ganztagsbetreuung
- Vor Reizüberflutung schützen: Ständige Berieselung bis hin zum Lärm
(Radio-, TV-Lärm, Beispiel: Weihnachtlieder von CD) kann bei Kindern in der
Sprachentwicklungsphase verminderte akustische Kontraste in der Wahrnehmung
bewirken. Das führt dazu, dass die Erkennungsmuster für Sprache schwach
ausgebildet werden.
- Sorgen Sie für eine ruhige Arbeitsatmosphäre bei den Hausaufgaben.
- Auf deutliche und gut artikulierte Aussprache achten.
- Ermutigen Sie das Kind zum Nachfragen.
- Geben Sie wichtige Anweisungen immer in der Nähe des Kindes und achten
Sie darauf, dass es Sichtkontakt zu Ihnen hat.
- Wenn das Kind Ihrer Aufforderung nicht nachkommt, fragen Sie es bitte,
was es von Ihrer Anweisung verstanden hat.
- Eine ruhige Arbeitsatmosphäre schaffen
- Mit dem Kind sprechen
- Mit dem Kind spielen
- Geräuschelotto
- Sprich genau – Hör genau
- Puzzle
- Memory
- Gedichte lernen und schreiben
- Geschichten erzählen und nacherzählen
- Reimwörter finden
- Nach Musik bewegen
Was Eltern tun können
- Den Tagesablauf genau regeln
- Eine ruhige Arbeitsatmosphäre schaffen
- Den Arbeitsplatz strukturieren
- Vor Reizüberflutung schützen
- Mit dem Kind sprechen
- Mit dem Kind spielen
- Lassen Sie das Kind ein Musikinstrument lernen, Musizieren
- Geräuschelotto
- Sprich genau – Hör genau
- Puzzle
- Memory
- Fingerspiele
- Gedichte lernen und schreiben
- Geschichten erzählen und nacherzählen
- Reimwörter finden
- Nach Musik bewegen
- Ermutigen Sie das Kind zum gemeinsamen Singen
- Loben Sie die Stärken des Kindes
Weitere Hilfen finden Sie im Internet unter:
www.avws-bei-kindern.de
Fazit zu AVWS (von Prof. Dr. med. Rainer Schönweiler)
- Die Bedeutung der Diagnose ist ähnlich einem Typ-II- Diabetes…..
- Obwohl kaum zu heilen
- kann man mit ihr leben
- wenn man die neuen Erkenntnisse und Fortschritte nutzt
Wie häufig ist AVWS
Bei Kindern beträgt die Häufigkeit zwischen 2-3%. Man geht allerdings
inzwischen davon aus, dass die Häufigkeit bei Kindern wesentlich höher ist.
Auffälligkeiten
- Es gibt eine Vielzahl von Auffälligkeiten an denen man eine AVWS
erkennen kann. Bei einer starken Häufung der unten genannten Auffälligkeiten
empfiehlt sich die Vorstellung bei einem Phoniater und Pädaudiologen.
- keine konstante Hörreaktion bereits im Säuglingsalter
- Kinder neigen dazu sich in lauten geräuschvollen Situationen die Ohren
zuzuhalten oder die Situation zu verlassen
- findet es im Kindergarten, in der Schule in großen Einkaufszentren, bei
Familienfeiern und Festen zu laut
- Häufung von Sprachentwicklungsverzögerung, Buchstaben oder Wortendungen
werden weggelassen, ähnlich klingende Wörter werden vertauscht (Nuss - muss,
dem - den, Tanne - Kanne), die Buchstaben d-t, p-b, v-w, k-g werden häufig
verwechselt, da sie nicht richtig unterschieden werden können,
Unsicherheiten in der Grammatik
- Probleme beim Auswendig Lernen von Gedichten oder Liedern
- sie schalten im Unterricht nach einiger Zeit ab, da sie die hohe
Konzentration die sie fürs Hören benötigen nicht auf Dauer aufrecht erhalten
können
- häufiges Nachfragen bei auditiv gestellten Aufgaben in lauter Umgebung
- unangemessenes Verhalten oder keine Reaktion des Kindes bei auditiv
gestellten Aufgaben, Probleme beim Durchführen mehrteiliger mündlicher
Anweisungen
- die Richtung aus der ein Geräusch kommt kann nicht richtig eingeordnet
werden, das Kind wendet sich nicht oder verspätet dem Sprecher zu
- sie hören meist nur mit einem Ohr, nicht mit beiden Ohren gleichzeitig
- wenn viele Personen durcheinander reden ist das Kind häufig sehr laut.
Sie wollen so erreichen, dass sie sich selbst besser aus dem Stimmengewirr
heraushören
- fehlende Sprachmelodie, monotones Vorlesen
- haben Probleme beim Kopfrechnen, da sie die mündlich gestellten Aufgaben
nicht verstehen
- bei Diktaten kommt es häufig zu Wortauslassungen und sonstigen
Hörfehlern, das sie Teile des Satzes vergessen haben
- große Empfindlichkeit bei schrillen und lauten Geräuschen
- häufig wird das Radio, der Kassettenrekorder oder der Fernseher zu laut
eingestellt