ADHS: Ernstes Problem oder Modekrankheit?

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AVWS was ist das?

(überarbeitet und mit freundlicher Genehmigung von Silvia Müller, Februar 2006)

Die Ohren eines Kindes mit AVWS hören genauso gut wie die jedes normalhörigen Menschen. Jedoch können Kinder mit AVWS Höreindrücke im Gehirn nicht so gut verarbeiten wie andere.

Zentral-auditive Wahrnehmungsstörungen führen, abhängig von ihrer Ausprägung, zu unterschiedlichen Auswirkungen.

Ursache ist häufig in persistierenden frühkindlichen Reflexen zu suchen.

Kinder mit AVWS hören das gleiche wie andere, aber auf andere Art und Weise.

 

Sie ...

Kinder mit AVWS....

hören viele Geräusche zugleich (z.B. Straßengeräusche, Husten, Niesen, das was ich sage, Flüstern...), können das Wichtigste heraushören und die Nebengeräusche in den Hintergrund treten lassen.

hören viele Geräusche gleichzeitig, können aber nicht das Wesentliche herausfiltern. Alles wirkt gleich laut. Nebengeräusche wirken ablenkend.

  • Husten
  • Lachen
  • Reden
  • Stimme des Lehrers
  • Türen klappen
  • Straßengeräusche
  • Stühle rücken
  • Husten
  • Lachen
  • Reden
  • Stimme des Lehrers
  • Türen klappen
  • Straßengeräusche
  • Stühle rücken

Sie

Kinder mit AVWS...

hören heraus, wenn ein Wort ein /m/ enthält und können das Wort dann richtig mit /m/ schreiben.

hören denselben Laut, aber unscharf und ungenau, vielleicht einen Klang zwischen /m/ und /n/. Dadurch entsteht Unsicherheit und das Kind muss raten, um welchen der beiden Laute es sich handelt. Folglich spricht das Kind falsch nach und schreibt fehlerhaft

Begriffsbestimmung

Das Hören lässt sich in periphere und zentrale Teilprozesse untergliedern.

Periphere Teilfunktionen: Außen- und Mittelohr dienen der Schallaufnahme und -weiterleitung, das Innenohr wandelt Schallreize in neuronale Impulse um.

Zentrale Teilfunktionen:

Verarbeitung: Vorverarbeitung und Filterung von auditiven Signalen in der zentralen Hörbahn

Wahrnehmung: bewusste Auswertung der angekommenen Informationen in den zentralen Hörzentren des Großhirns.

Eine auditive Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung liegt vor, wenn zentrale Prozesse des Hörens gestört sind.

Das Erscheinungsbild eines Kindes mit AVWS

Primäre Symptome sind immer ein verspäteter Sprechbeginn, eine Sprachentwicklungsverzögerung mit Störungen der Artikulation und Grammatik und eine Leserechtschreibschwäche, da die Sinnentnahme beim Lesen durch mangelndes Erkennen der Worte erschwert ist. Weiters sind der aktive und passive Wortschatz erheblich verringert.

Sekundäre Erscheinungsbilder gehen über die sprachlichen hinaus. Es kommt häufig zu sozialen Behinderungen und zu Lern- und Leistungsveränderungen. Die gestörte Ausdrucksfähigkeit des Kindes führt zu einem gestörten Kommunikationsprozess, was wiederum eine personelle Veränderung beim Kind bewirkt: Introvertierte (nach innen gekehrte) Kinder werden häufig kontaktscheu, ängstlich und schüchtern, während extrovertierte (nach außen gekehrte) Kinder eher zu aggressivem, bockigen Verhalten neigen.

Durch die gestörte Sprache und die mangelnde Wahrnehmungsfähigkeit ist das Kind den Lerninhalten gegenüber weniger aufgeschlossen als "normale" Kinder, was wiederum zu Störungen im Lernprozess führen kann. Aufgrund ständiger Misserfolge kann sich der gesamte Lernablauf und das Verhalten des Kindes verändern. Oft zeigen sich Symptome wie Unaufmerksamkeit, Unkonzentriertheit, geringe Leistungsfähigkeit, mangelndes Interesse oder geringe Ausdauer.

Kinder und Jugendlichen, mit AVWS, fallen in der Schule, im Kindergarten oder zu Hause z.B. dadurch auf, dass

Diese Kinder zeigen Auffälligkeiten im auditiven Bereich, obwohl das periphere Hörvermögen vollkommen unauffällig ist.

Beispiele:

Zum Begriff ZAVWS

Man spricht von "zentraler Hörverarbeitungsstörung", Auditiver Verarbeitungs- und Wahrnehmungsstörung kurz AVWS oft begleitet von Aufmerksamkeits-Defizit Syndrom ADS oder Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperkinetisches Syndrom ADHS und Geräuschempfindlichkeit (Hyperakusis) Diese Störungsbilder können sich überschneiden. Oft wird mal mehr das eine oder das andere Störungsbild festgestellt, je nach Untersucher und verwendeten Testmethoden. Es sollte immer untersucht werden, ob das Kind auditiv entwickelt ist. Hat es sich über die ersten Schuljahre durch Ersatzstrategien gerettet, die es ihm ermöglichten, auditiv nicht richtig integrierte Fähigkeiten z.B. visuell zu kompensieren, so fällt es auf, wenn im weiteren Lernalltag die visuellen Hilfen immer mehr entfallen und vermehrt die auditiven hinzukommen.

Das Störungsbild, das wir mit AVWS bezeichnen, taucht in der Fachliteratur unter anderem unter folgenden Begriffen auf:

Allen diesen Begriffen ist gemeinsam, dass der Teil „ zentral“ und/ oder Wahrnehmung darin vorkommen. Dies dient der Abgrenzung vom so genannten peripheren Hören. Zentrale Hörleistungen beziehen sich auf die Verarbeitung von Gehörtem bis zur Sinnentnahme, dem Verstehen im Gehirn.

Definition

Auditive Wahrnehmungsstörungen liegen dann vor, wenn bei einem intakten peripheren Gehör, Störungen in einer oder mehreren Teilleistungen des auditiven Systems auftreten. Ganz allgemein gesprochen, haben Kinder mit auditiven Wahrnehmungsstörungen Schwierigkeiten, akustische Reize zu erkennen, zu unterscheiden und sie in Verbindung mit früheren Erfahrungen zu interpretieren.

Bei Kindern und Erwachsenen mit AVWS liegt eine Störung der Hörverarbeitung zwischen dem Innenohr und dem Gehirn vor. Die "Ohren" hören genauso gut, wie die eines Normalhörenden, allerdings werden die akustischen Impulse nicht korrekt an das Gehirn weitergeleitet.

Schwierigkeiten in der auditiven Differenzierung, also der Fähigkeit Phoneme zu unterscheiden, können Probleme beim Wortschatzaufbau und beim Lesen- und Schreibenlernen bewirken.

Verantwortlich für das Auftreten von Wahrnehmungsstörungen sind überwiegend auditive Verarbeitungsstörungen im Hörbahnsystem, die meist auch audiologisch messbar sind.

Merkmale auditiver Wahrnehmungsprobleme

Auditive Wahrnehmungsleistungen

Störungsbilder

Bei auditiven Wahrnehmungsstörungen zeigen sich nicht alle Symptome gleichermaßen. Jedes Kind weist andere Erscheinungs- und Störungsbilder auf.

6.1 Für die einzelnen Bereiche heißt das: Geräusche können nur schwer unterschieden werden.

Diagnostik (Bei einem ausgebildeten Phoniater, Pädaudiologen oder HNO Arzt!)

Begriff auditiv und akustisch

Im Zusammenhang mit der auditiven Wahrnehmung müssen die Begriffe auditiv und akustisch differenziert werden. Akustik als Lehre vom Schall und den Schallverhältnissen und die davon abgeleiteten Begriffe meinen den physikalischen Reiz. Die anatomischen Grundlagen des Hörvorgangs und die physiologischen Prozesse hingegen werden als auditiv bezeichnet. Man spricht also von auditiver Wahrnehmung, aber von akustischen Reizen.

Den Unterschied zwischen Klang und Geräusch möchte ich hier auch kurz erklären. Klänge sind Tongemische, die durch zusammengesetzte regelmäßige Druckschwankungen von bestimmten Frequenzen hervorgerufen werden. Ihr Zusammenklang (Konsonanz) wird vom Ohr als Einheit und damit meist als angenehm empfunden. Geräusche hingegen entstehen durch eine Vielzahl nicht regelmäßig zusammenklingender Töne verschiedener Frequenz und Höhe.

Gerade das Hören ist in seiner Komplexität auf die Verbindung mit anderen Sinneswahrnehmungen angewiesen und steht in engem Zusammenhang mit dem emotionalen, sprachlichen und motorischen Bereich.

Die Schulung des Gehörs, also des auditiven Wahrnehmungsbereiches, stellt eine wesentliche Voraussetzung für den Sprach-, Lese- und Schreiberwerb dar.

Durch Geräusche wird unsere Umwelt erst lebendig. Wir nehmen diese unbewusst oder bewusst wahr, differenzieren, strukturieren und filtern sie je nach Bedarf und Situation. Klänge oder Geräusche können positiv oder negativ auf uns wirken und demnach Aufmerksamkeit oder Desinteresse bewirken.

Ein hörendes Kind lernt die Sprache nach Gesetzen der Phonetik, indem es beispielsweise nicht zunächst Einzellaute erlernt. Es orientiert sich an Klanggestalten seiner Umwelt und sucht die klanglich ansprechenden bekannten Teile heraus und versucht, sie nachzusprechen. So werden lange und sprechmotorisch schwierige Wörter anfangs verstümmelt, weil sie laufmäßig noch nicht erfasst und auditiv- gedächtnismäßig nicht verarbeitet und folglich sprechmotorisch noch nicht gebildet werden können. So kommt es anfangs zu Auslassungen (Schokolade – lade) oder zu Umstellungen (Waschlappen – Laschwapp), Angleichungen (Bleistift – Beibift) und Zusammenziehungen. Insofern ist der Prozess des Hörens, vor allem das auditive Erfassen und Verarbeiten des Aufgenommenen, für den Spracherwerb von großer Bedeutung. Auf der einen Seite werden dem Kind Vorbilder für das Sprechen geliefert und auf der anderen Seite stallt das Hören die wichtigste Kontrollinstanz bei der konkreten Durchgestaltung eines Wortgefüges und für die akustisch-sprechmotorisch exakte Bildung der Sprachlaute dar. Sind die eigenen Laute als sprachlich korrekt erkannt worden, übernehmen taktil-kinästhetische Faktoren als Lage- und Bewegungssinne diese Überprüfungsfunktion und das Gehör nimmt eine zweitrangige Rolle ein. Spricht ein Kind einen Laut falsch, die Umwelt versteht und akzeptiert aber seine Aussprache, besteht für das Kind keine Veranlassung mehr, seine akustischen Äußerungen mit denen seiner Umwelt zu überprüfen, denn es ist dann der Überzeugung, richtig zu sprechen. Zu den komplexesten Leistungen unseres Gehörs zählt das Aufnehmen sprachlicher Informationen: Wir erkennen die Bedeutung eines Satzes relativ unabhängig davon, ob er von einem uns bekannten oder unbekannten Menschen gesprochen wird, ob er schnell oder langsam gesprochen wird, laut oder leise, durchs Telefon oder von Mensch zu Mensch. –Solange wir unsere eigene Sprache hören, können sich die Parameter Lautstärke, Sprechtempo und Obertoncharakteristik in weiten Bereichen ändern, ohne dass wir Verständigungsprobleme bekommen.

Hilfen

Hilfen im Unterricht

Das Kind kann besser hören und verstehen,

Das auditive Gedächtnis wird unterstützt,

Das Sprachverstehen wird besser gesichert,

wenn das Kind ermutigt wird nachzufragen und häufiges Nachfragen nicht als Konzentrationsmangel oder Unaufmerksamkeit bewertet wird

Hilfen in der offenen Ganztagsbetreuung

Was Eltern tun können

Weitere Hilfen finden Sie im Internet unter: www.avws-bei-kindern.de

Fazit zu AVWS (von Prof. Dr. med. Rainer Schönweiler)

Wie häufig ist AVWS

Bei Kindern beträgt die Häufigkeit zwischen 2-3%. Man geht allerdings inzwischen davon aus, dass die Häufigkeit bei Kindern wesentlich höher ist.

Auffälligkeiten